Regal-Bahnhof

Kleiner Betriebsbahnhof als Tor zur Welt

Im aktuellen Aufbau meiner Modellbahnanlage spielt der kleine 4-gleisige Endbahnhof auf der rechten Anlagenseite eine wesentliche Rolle, denn er stellt für den Gleisanschluss zur Werksbahn und die Lokalbahn die große weite Welt dar. In meiner Story ist dieser Bahnhof nicht ein kleiner 4-gleisiger Endbahnhof, sondern der betrieblich bedeutsame Durchgangs- und Abzweigbahnhof Gradenberg, an dem alle Züge der Hauptstrecke halten und die meisten bergwärts fahrenden Züge Vorspann oder Nachschiebe erhalten.

Gleisplan meiner Modellbahnanlage im aktuellen Aufbau, rechts der Regal-Bahnhof

In Wirklichkeit ist dieser Bahnhof jedoch (vorerst) aus Platzgründen nur als kleiner Endbahnhof ausgeführt, optisch nicht durchgestaltet und in einem Ikea-Regal aufgebaut. Dennoch ermöglich der sehr einfach aufgebaute Bahnhof einiges an betrieblichen Möglichkeiten.

Regalbahnhof als geschlossener, staubdichter Kasten

Anforderungen und Randbedingungen


Aus betrieblicher Sicht sollte der Bahnhof als Ausgangs- und Endpunkt für alle Züge auf der Lokalbahn sowie für Überstellfahrten zur Anschlussbahn dienen. Für ankommende Züge musste die Möglichkeit bestehen, die Lokomotive an das andere Zugende umzusetzen. Da der Bahnhof auch als Abstellbahnhof für sämtliche auf der Anlage eingesetzte Fahrzeuge dienen sollte, wollte ich einen möglichst guten Staubschutz für den gesamten Bahnhof realisieren.

Regal-Bahnhof, links mit herausgenommener Abdeckung, rechts mit eingesetzter Abdeckung

Da ich überdies möglichst schnell zu einem Fahrbetrieb kommen wollte und der Endbahnhof an dieser Stelle ohnedies nicht direkt in meine Story passte, entschied ich mich, den Bahnhof als eine Art einsehbaren Schattenbahnhof auszuführen. Derartige Betriebskonzepte sind auch von Modulanlagen bekannt, wo solche Bahnhöfe oft als „fiddle-yard“ oder “Betriebsbahnhof“ bezeichnet werden, was mir persönlich aber wenig gefällt. Da ich meinen Bahnhof in eine Regalwand integriert habe, hat sich bei mir der Begriff Regal-Bahnhof eingebürgert.

Regalbahnhof während der Bauphase mit 4 Gleisen und der Schiebebühne im Vordergrund

Die Größe des Bahnhofes wurde durch das vorhandene 3-teilige, 2,18 m lange und 30 cm tiefe Ikea-Regal „Ivar“ bestimmt. Der Innenabstand von 24 cm zwischen den vorderen und hinteren Regalstützen erlaubte die Anordnung von 4 parallelen Gleisen. Der Abstand zum darüberliegenden Regalbrett wurde ausgetestet und letztlich mit 23 cm eher etwas größer gewählt, als auf den ersten Blick notwendig erschien. Mir war es wichtig, auch für den Reparaturfall genügend Eingriffsraum zu haben, wenn man z.B. mit Werkzeug zwischen den Regalbrettern hantieren muss.


Technische Daten:

  • Gleismittenabstand = 56mm
  • Einbauhöhe unteres Regalbrett = 122 cm
  • Einbauhöhe oberes Regalbrett = 147,5 cm
  • Lichte Höhe ab Korkauflage = 23 cm
Regal-Bahnhof mit ortsbedienten Weichen

Für die Gleise und Weichen wurde Tillig Elite vorgesehen und die Weichen sollten mechanisch über Stellhebel von der Regalvorderseite bedient werden. Eine solche Lösung versuche ich überall dort einzubauen, wo sich Gleise und Weichen sehr nahe an der Anlagenvorderkante befinden und sich der Modellbahnbetrieb somit unmittelbar vor dem Auge des Betrachters bzw. des Bedieners abspielt. Mir gefällt es, wenn ich mit dem Walk-Around-Handregler mit dem Zug an der Anlage entlang gehen kann und an den Stellen, wo in Wirklichkeit ein Weichenwärter die Weichen umlegen würde, ich per Stellhebel die Weichen umstellen kann.

 

Technische Ausführung:


Die Ikea-Regalbretter des Ivar-Systems erschienen mir mit 18 mm Brettstärke ausreichend stabil, um auf einen weiteren Unterbau oder eine Verstärkung zu verzichten. Auf die Regalbretter wurden als Geräuschdämmung durchgehend 10mm Korkplatten aufgeklebt, auf die dann die Gleise und Weichen aufgeklebt wurden. Zum Kleben verwende ich immer Pattex, der elastisch bleibt und damit positiv zur Geräuschdämmung beiträgt.

Grundplatte aus Ikea-Regalbrettern "Ivar" mit Korkauflage

Da ich bei den als Grundplatte verwendeten Regalbrettern auf der Unterseite keine störenden Weichenantriebe und Kabel haben wollte, musste alles zwischen den Korkplatten angeordnet werden. Aus diesem Grund wählte ich eine 10 mm starke Korkplatte als Gleisunterlage, anstelle der sonst üblichen 5mm. Bei den handbedienten Weichen kam eine Variante meiner bewährten Standardlösung mit Kippschalter, Gewindestange und Lüsterklemmen zum Einsatz, siehe Kapitel Weichenantriebe. (in Arbeit)

Über Stellhebel von der vorderen Anlagenvorderkante ortsbediente Weiche

Um die ohnedies knappe Gleislänge nicht durch einen Weichenbereich auf der rechten Bahnhofsseite weiter zu reduzieren, entschloss ich mich zum Einbau einer Schiebebühne. Aus betrieblicher Sicht ist dies ausreichend, da sämtliche Rangierbewegungen mit Zügen und Waggons über den linken Bahnhofskopf erfolgen. Die Schiebebühne wird nur benötigt, um Lokomotiven von ankommenden Zügen auf ein anderes Gleis umsetzen zu können.

Schiebebühne am rechten Bahnhofskopf

Durch Digitalbetrieb und Verwendung von handbedienten Weichen konnte der elektrische Aufbau äußerst einfach gehalten werden. Alle Gleise im Bahnhof bilden nur einen einzigen Stromkreis, die einzelnen Gleise verfügen jedoch über ausreichend viele Einspeisestellen. Alle Weichen sind polarisiert.


Als Entkuppler kamen Kadee-Entkuppler vom Typ KD322 zum Einsatz, die ich einfach mit Doppelklebeband an den benötigten Stellen zwischen die Schiene geklebt habe, siehe Kapitel Kupplungen (in Arbeit).


Staubschutz

 

Um einen möglichst guten Staubschutz für die im Bahnhof abgestellten Fahrzeuge zu erhalten, wurden einerseits die seitlichen und hinteren Öffnungen des Bahnhofes fest verschlossen und andererseits für die vordere Öffnung durchsichtige Abdeckungen vorgesehen.

 

Für die hinteren und seitlichen Abdeckungen habe ich 3mm starke Hohlkammerplatten (sog. PPP) verwendet, die sich sehr einfach mit dem Bastelmesser zuschneiden lassen. Die Hohlkammerplatten sind lose in Schienen aus Holzleistchen eingelegt. Damit bleibt der Regal-Bahnhof weiterhin relativ leicht zerlegbar.

Eingesetzte vordere Abdeckungen aus Plexiglas zum Staubschutz

Die vorderen Abdeckungen wurden aus 2mm starkem, durchsichtigen Plexiglas zugeschnitten und werden ebenfalls in Schienen aus Holzleisten eingelegt. Durch die angebrachten Schubladengriffe lassen sich diese Abdeckungen leicht herausnehmen und wieder einsetzten. In der Praxis mache ich das übrigens deutlich seltener als ursprünglich erwartet, da der Fahrbetrieb mittlerweile mit den meisten Fahrzeugen doch sehr zuverlässig ist und ich kaum Liegenbleiber habe. Auch das Kuppeln und Entkuppeln mit der Kadee-Kupplung funktioniert sehr zuverlässig, daher lasse ich im Regelfall meist die vorderen Abdeckungen an ihrem Platz und der Regalbahnhof ist von vorne her verschlossen, jedoch bestens einsehbar.