Isolatorenfabrik / Planung

Werksgelände mit Tiefenwirkung

Was wäre eine Modellbahnanlage mit dem Thema „Industrie" im Titel ohne eine zünftige Fabriksanlage, möglichst sogar mit eigener Werkbahn? Will man so was glaubhaft ins Modell umsetzen, braucht man entweder sehr viel Platz oder man muss ein paar Tricks anwenden.


Lässt sich auch bei wenig Platz die Ahnung einer größeren Industrieanlage erzeugen?

 

Im Bereich der geplanten Fabrik stand mir eine Anlagentiefe von 30cm zur Verfügung - nicht allzu viel Platz für eine ausgedehnte Fabrik. Erst im hinteren Bereich wird die Anlagentiefe größer. Die verfügbare Länge betrug etwa 2,30m. Ich plante daher den Bau von 3 Längssegmenten mit einer Länge von je 75 cm. Diese sollten den rückwärtigen Teil eines Fabrikgeländes mit den dort angeordneten Gleis- und Verladeanlagen darstellen.

 

Die eigentlichen Fabrikshallen sind nur als Halbrelief-Gebäude im Übergang zur Hintergrundkulisse angedeutet. Was man nicht direkt sondern nur andeutungsweise im Hintergrund sieht, ist also der weitaus größere Teil mit den Werkshallen usw.



Der sichtbare Teil der Anlage bildet nur einen kleinen Ausschnitt des Fabrikgeländes nach.

 

Um eine besondere Tiefenwirkung zu erzielen, habe ich auf einen bekannten Gestaltungstrick zurückgegriffen. Die Vorderkante wird möglichst weit nach unten gezogen (bei mir führt direkt vor dem Gleis ein deutlich tiefer liegender Bach mit Stützmauer zum Gleis hin vorbei) und die hintere Kante wird möglichst weit nach oben gezogen (bei mir durch die im Halbrelief ausgeführten Werkshallen). Dadurch ergibt sich im Auge des Betrachters ein deutlich größeres Sichtfeld, was den Eindruck von Tiefe verstärkt.

 

Als Vorbild für die gesamte Szenerie diente übrigens der Gleisanschluss der GKB zur Glasfabrik in Bärnbach, wie er im Bd. 15 der Bahn im Bild-Reihe auf Seite 57 abgebildet ist. Dieses Foto, das eine 56er der GKB beim Verschub im Gleisanschluss zeigt, inspirierte mich überhaupt erst für die gesamte Szenerie. Weiterhin wollte ich einige von einem früheren Modellbahnprojekt vorhandene Gebäude verwenden. Diese waren zwar in Teilen recht detailliert ausgeführt, insgesamt jedoch nie vollendet.

 

Die aufgestellten Gebäudeteile stammen von einem früheren unvollendeten Modellbahnprojekt

 

Ergänzend zu diesen ersten Ideen stellte ich Überlegungen an, welche Art einer Fabrik ich bauen wollte und was dies in modellbahnerischer Hinsicht bedeuten würde. Schließlich wollte ich einerseits einen möglichst abwechslungsreichen Güterwageneinsatz und andererseits interessante Betriebsmöglichkeiten generieren. Ausgehend von der ersten Idee einer Glas- oder Porzellanfabrik kam ich schließlich zu einem Unternehmen, welches sich von einer ursprünglichen Porzellanfabrik durch Spezialisierung zu einem Hersteller von Porzellan-Isolatoren und zugehörigen Elektroteilen entwickelt hat.

 

Für ein solches Unternehmen ergeben sich eine Reihe von Gütern, die an- und abtransportiert werden müssen – in meinem Fall tunlichst mit der Eisenbahn:

  • Rohmaterialien für die Porzellanherstellung: 
    • Kaolin (Porzellanerde), Quarz und Feldspat
    • Anlieferung mit O-Wagen, Klappdeckelwagen, Staubkesselwagen.
  • Hilfsmaterialien:
    • Kohle für die Porzellan-Öfen, Eisen und Bleche für den Formenbau, Heiz- und Schmieröle sowie Dieselöl für die Werkloks, elektrische Geräte und Draht für die Erprobung der Porzellanisolatoren, Holz für den Kistenbau zum Versand der Isolatoren, usw.
    • Anlieferung durch O-Wagen, G-Wagen, Kesselwagen, Rungen- und Flachwagen.
  • Endprodukte: 
    • In Kisten verpackte (Klein-)Isolatoren, einzeln verladene Großisolatoren
    • Abtransport durch G-Wagen sowie Rungen- und Flachwagen

  

Stellprobe Verschubgarnitur in der Entladestelle für Staubgut

 

Für die genannten Güter mussten somit Ladestellen im Werksgelände sowie die entsprechenden Gleise geplant werden:

  • Ladegleis zur Anlieferung der Schüttgüter für die Porzellanerzeugung. Die Entladung sollte vorzugsweise mittels einer fortschrittlichen Druckluftentladeanlage aus Staubkesselwagen erfolgen und nur mehr im Ausnahmefall durch Ausschaufeln von O- und Klappedeckelwagen.
  • Kohlegleis zur Entladung der Kohle mit Muskelkraft direkt von den O-Wagen in das Kohlenlager.
  • Ladegleis direkt am Wareneingangslager zur Anlieferung sonstiger Güter mit Freiladekran.
  • Ladegleis direkt am Warenausgangslager für den Abtransport der fertigen Güter.
  • Kleinlokschuppen.
  • Gleis mit Ölwanne zur Betankung der Diesellok sowie zur Entladung von Kesselwagen.

 

Aus diesen Überlegungen heraus ergab sich ein erster Entwurf des Gleisplanes, der in der Folge durch Stellproben überprüft und adaptiert wurde. 

  

Im Vergleich der verschiedenen Planungsvarianten ist zu erkennen, dass im ersten Entwurf noch ein freistehender Kleinlokschuppen vorgesehen war. Bei einer der Stellproben stellte sich aber heraus, dass dies so nicht vernünftig umsetzbar war. Realisiert habe ich den Kleinlokschuppen schließlich als Anbau zur Fabrikshalle. Auch die ursprünglich geplante Einfahrt des hinteren Gleises direkt in eine der Fabrikshallen musste aus Platzgründen gestrichen werden. Dafür kamen einige 600mm Werksbahngleise (H0f) für den werksinternen Kohlentransport hinzu. Die Bilder zeigen weitere Stellproben während der Bauphase.