Reihe 989

Ein Amerikaner in Österreich

Im Laufe des 2. Weltkrieges brachte des United States Army Transportation Corps (USATC) eine Reihe von Lokomotiven und Waggons nach Europa. Eine der Lokomotiven war die USATC Klasse S 100, gebaut in den Jahren 1942 bis 1944. Insgesamt kamen 382 Exemplare nach Europa, davon wurden 10 Stück von der ÖBB übernommen und ab 1953 als Reihe 989 bezeichnet. Die 10 Maschinen wurden entsprechend ihrer 3 Hersteller als 989.01 bis 05 (Vulcan), 989.101 bis 103 (Davenport) und 989.201 bis 202 (Porter) eingereiht. Die Maschinen blieben bis Ende der 60er Jahre im Einsatz.

Von der 989.101 gibt es nun schon seit einiger Zeit ein schönes Modell von Rivarossi, das sich allerdings noch weiter verfeinern lässt. Bei dieser Gelegenheit kann man auch das Gewicht der Lok noch etwas erhöhen und damit die Zugkraft verbessern. Und da bei einer dreiachsigen Dampflok auch die Stromaufnahme immer kritisch ist, habe ich der Lok neben einem Decoder gleich auch einen passenden Pufferkondensator verpasst.

 

Im Band 73 der Reihe „Bahn im Bild“ findet sich auf Seite 94 ein sehr schönes Bild der 989.101 von H. Fröhlich aus dem Jahr 1959. Daran kann man sich sehr gut orientieren und die wesentlichen Änderungen ableiten.

Die Heizerseite der 989 mit den Änderungen und zugerüsteten Teilen vor der Lackierung

 

Optische Änderungen am H0-Modell der 989.101 von Rivarossi:

  • Am Kessel die Luftpumpe tiefer setzen und neue Rohre aus Ms-Draht verlegen
  • Über der Luftpumpe einen zusätzlichen Turbogenerator von Weinert (Nr. 8456) anbringen
  • Neue Dampfpfeife von Weinert montieren (die originale aus Kunststoff ist im Laufe der Arbeiten abgebrochen und hat sich ohnedies auf Nimmerwiedersehen verabschiedet...)
  • Gebogene Griffstange an der Rauchkammertür entfernen und neue kleinere Griffstange anbringen
  • Der am Modell vorhandene gitterförmige Kohleaufsatz ist für eine Ausführung anno 1959 falsch: aus einer 0,5mm Kunststoffplatte einen neu Kohleaufsatz bauen und ankleben
  • Am Führerhaus ist der Steg zwischen Fenster und Führerraumeinstieg zu schmal ausgeführt: Steg wegschneiden und aus 0,5mm Kunststoffplatte einen neuen, breiteren Steg zurechtschneiden und einkleben
  • Die blechernen Schiebefenster hinter den seitlichen Führerraumfenstern durch hinterklebte Kunststoffstücke darstellen
  • Zusätzlichen Tritt von Weinert (Nr. 8826) seitlich am Kohlekasten anbringen
  • Regenrinnen am Dach entfernen und über Führerraumfenster und -tür ein neues, breiteres Regenschutzblech anbringen
  • Dachhaken aus Draht biegen und montieren
  • Elektroleitungen und Verteilerkästen von Weinert montieren
  • Windschutzgläser von Weinert anbringen
  • Kohleschaufel inkl. Halterung anbringen
  • Gerade Pufferteller dünner feilen
Am Führerhaus und am Kohlenkasten wurde die Elektroverkabelung dargestellt

 

Erhöhung der Fahrzeugmasse:

 

Rivarossi hat sich durchaus Mühe gegeben, dem kleinen Maschinchen etwas mehr Masse mitzugeben, so ist der Kessel aus Druckguss, aber dennoch bleibt das Modell eher ein Leichtgewicht. Da die Lok (meiner Meinung nach richtigerweise für einen solchen Dreikuppler im Modell) über keine Haftreifen verfügt, ist die Zugkraft nicht gerade überragend. Für normale Verschubarbeiten wird diese zwar in vielen Fällen ausreichen, aber für die etwas längeren Übergabezüge im steirischen Randgebirge war mir die Zugkraft zu gering.

 

Abhilfe ist jedoch durch den Einbau von Zusatzgewichten möglich. Ich verwende dazu 1mm Bleiplatten, aus der ich passende Stücke zurechtschneide und in die Lokomotive einklebe.

Achtung: Blei ist giftig, auf entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ist daher bei der Arbeit mit Blei sorgfältig zu achten!

Bei der 989 habe ich dazu folgende Bereiche genutzt:

  • In den seitlichen Wasserkästen
  • Unter dem Führerhausdach
  • Im gesamten Kohlekasten

Das neue Gesamtgewicht der 989 liegt damit nun bei rund 190g.

 

Zusatzgewichte aus Blei in den seitlichen Wasserkästen und unter dem Führerhausdach

 

Einbau eines Pufferkondensators:

 

Weiterhin zeigte sich im Betrieb an einigen kritischen Weichenbereichen eine etwas unsichere Stormaufnahme, was bei einer dreiachsigen Lok mit einem relativ kurzen Achsstand nicht wirklich verwunderlich ist. Rivarossi ist dies nicht wirklich als Schwachpunkt anzulasten, dennoch lässt sich mit elektronischer Hilfe auch hierzu eine Verbesserung erzielen.

 

Da ich ohnedies alle meine Modelle digitalisiere, besteht die Möglichkeit, durch den Einbau von Kondensatoren etwas Energie für den Decoder und den Weiterbetrieb der Lok bei kurzen Stromunterbrechungen zu speichern. Natürlich sind hier keine Wunder zu erwarten, auch weil aufgrund der Platzverhältnisse keine großen und leistungsfähigen Kondensatoren eingebaut werden können:

  • Für die 989 habe ich eine Pufferung mit Tantal SMD-Kondensatoren gewählt. Jeweils 12 Kondensatoren á 150µF sind parallel geschaltet und liefern insgesamt 1800µF.
  • Die Pufferkondensatoren wurden im vorderen Bereich der Lok eingebaut. Um Platz für die Kondensatoren musste allerdings die Elektronikplatine zersägt und die Einzelteilen neu eingebaut werden.

Damit ist der Auslauf der Lok aus mittlerer Geschwindigkeit um rund 10 bis 15mm länger als ohne Pufferung. Dies reicht, dass die Lok bei kurzen Aussetzern nicht zum Stehen kommt.

 

Links befinden sich Pufferkondensatoren, rechts der Decoder