Bahndienstfahrzeuge

Draisinenzug für die Streckenwartung

Zur Wartung des Streckennetzes wurden von den Österreichischen Bundesbahnen ab 1957 die Bahndienstfahrzeuge der Reihe X 625 (Motorbahnwagen MBW 100) beschafft. Diese Fahrzeuge hatten eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h und waren für den Transport von Personal und Material geeignet.

Im Gegensatz zur Vorgängerreihe verfügten diese neuen Bahndienstfahrzeuge neben der Kleinwagenkupplung über normale Zug- und Stoßvorrichtungen, um auch Güterwagen zu Baustellen transportiert zu können. Im Inneren der Draisine befand sich in Fahrzeugmitte der dieselmechanisch angetriebene Motor. Daneben hatte der Fahrer seinen Sitz. Vor den Stirnfenstern waren Holzbänke für das Personal angeordnet. Insgesamt konnten neben dem Fahrer bis zu acht weitere Personen Platz nehmen. Diese Draisinen kamen bald in ganz Österreich zum Einsatz.

 

Das H0-Modell des X625 (Motorbahnwagen MBW 100) von Liliput

 

Seit einiger Zeit ist nun ein schönes H0-Modell dieser Reihe X625 samt dazu passender Kleinwagen-Anhänger erhältlich. Der Motorbahnwagen präsentiert sich im nur kurze Zeit erhältlichen 3er Set in schöner rot-beiger Lackierung passend für die Epoche III. Die beiden Kleinwagenanhänger hingegen erscheinen moderner, vor allem aufgrund der gelben Lackierung des Niederbordwagens, die für diese Zeit untypisch erscheint. Insgesamt gibt es an den kleinen Fahrzeugen nicht viel zu meckern. Schön ist auch der freie Durchblick durch den Wagenkasten, trotz der Winzigkeit der Draisine. Im Betrieb zeigten sich aber Schwächen in der Stromaufnahme, bedingt durch die nur 2 Achsen und die außerdem nahezu winzigen Räder. Insgesamt also Grund genug für mich, einen Draisinenzug individuell herzurichten und für den Betriebseinsatz auf meiner Anlage noch etwas zu optimieren.

Äußerlich war an der Draisine nach meiner Auffassung nicht viel zu tun, nur wenige Punkte störten mich. Allen voran die fehlenden Kleinwagenkupplungen und stattdessen große Öffnungen in der Pufferbrust zur Aufnahme von Modellbahnkupplungen sowie die stirnseitig leider sehr deutlich sichtbare Stoßkante zwischen Untergestell und Wagenkasten. Einige Abweichungen des Modells vom Vorbild im Auslieferzustand wie die nicht ganz korrekte Anordnung der Makrofone, die fälschlicherweise vorhandene eckige Verkleidung des Auspuffrohrs und die an beiden anstatt an nur einer Frontscheibe vorhandenen Scheibenwischer samt Scheibenheizung erschienen mir hingegen tolerabel bzw. auch nicht einfach so änderbar, sodass es nachher nicht schlechter ausschaut als vorher.

 

Wichtig war mir allerdings die Verbesserung der Stromaufnahme. Dazu plante ich den Einbau eines Pufferkondensators, wobei der freie Durchblick nicht beeinträchtigt werden sollte. Darüber hinaus fragte ich mich, ob alleine ein Pufferkondensator ausreichen würde, denn am Ende kommt der Strom ja doch nur über je zwei kleine Räder ins Fahrzeug.

 

Erste Überlegungen, einige Mini-Tantal-Kondensatoren direkt unter der kleinen Dachhaube einzubauen, verwarf ich bald. Nach Abwägung des konkreten Betriebseinsatzes auf meiner Anlage – der Motorbahnwagen würde ohnedies wohl die meiste Zeit fest über die Kleinwagenkupplung mit seinen Anhängern verbunden sein – entschied ich mich dazu, einen Kondensator auf den ersten Kleinwagen-Anhänger zu verfrachten und strommäßig an den Motorwagen zu koppeln. Damit war es dann folgerichtig, auch die Räder des Anhängers als zusätzliche Stromaufnahme zu nützen.

 

Arbeiten an der Draisine

  • NEM-Schacht entfernen, Pufferbrustbereich durch die beiliegende Kunststoffblende verschließen und nach unten durch einen Plastikstreifen so verlängern, dass die Kante bündig mit dem Untergestell abschließt
  • Gesamte Pufferbrust sowie die Unterkanten am Wagenkasten und an den stirnseitigen Schnittstellen rot bemalen; dadurch kann zwar die unschöne Trennkante unterhalb der Fensterfront nicht gänzlich kaschiert, aber doch ein wenig unauffälliger gemacht werden
  • Mittelpufferkupplung aus dem Schmalspursegment von Weinert (Nr. 86211) montieren
  • Originalschraubenkupplung und Bremsschläuche aus Messing von Weinert anbringen
  • Verbesserung der Stromaufnahme durch eine zusätzliche externe Gleisstromeinspeisung über den Anhänger durch:
    • Anlöten von zwei Kabeln an den Leiterbahnen der Elektronikplatine für die Fahrstromeinspeisung
    • Durchführung der Kabel zu einem der beiden Kupplungsbereiche
    • Dort Einbau eines Mikrosteckers für den Anschluss einer zusätzlichen Fahrstromeinspeisung vom Draisinenanhänger
  • Weitere Verbesserung der Fahreigenschaften durch Anschluss eines Pufferkondensators:
    • Anlöten von zwei Kabeln an den dafür am Decoder vorgesehenen Lötpads; ich habe den herstellerseitig vorgesehenen Decoder LokPilot micro V4.0 DCC mit Next18 Schnittstelle von ESU (Nr. 54686) verbaut
    • Wiederum Durchführung der Kabel zum Kupplungsbereich und dort Einbau eines weiteren Mikrosteckers für den Anschluss eines Pufferkondensators, der auf dem Draisinenanhänger untergebracht wird
  • Gewichtsblock im Innenraum durch ein passendes Stück schwarzes Papier tarnen
  • Geeignetes Personal von Preiser zurechtschnipseln und einkleben
  • Untergestell, Pufferbrust und Dachbereich mit Puderfarben leicht altern, abschließend mit Mattlack fixieren (dazu Fensterbereich und Laternen abkleben)

 

Die Kleinwagenanhänger

 

Neben den beiden Anhängern aus dem neuen 3er Set von Liliput hatte ich auch einige weitere Anhänger aus früherer Dolischo-Produktion in meinem Bestand. Also bot sich die Chance, meinen geplanten Draisinenzug etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Ein Wagen war bereits für die Aufnahme des Pufferkondensators vorgesehen, aber für die übrigen konnte ich mir verschiedene Beladungsvarianten überlegen.

 

Arbeiten an den Kleinwagen

  • Kupplungen wegschneiden und Öffnung durch einen Plastikstreifen verschließen
  • Mittelpufferkupplung von Technomodell (Nr. 57621) rechteckig feilen und einkleben
  • Passende Bremsschläuche aus Kunststoff oder von Weinert anbringen
  • Gelben Aufbau der Niederbordwagen außen in braun und innen in hellgrau bemalen
  • Fahrzeuge mit Puderfarben altern und abschließend mit Mattlack fixieren

 

Zusätzliche Arbeiten an dem Kleinwagen mit Pufferkondensator

 

Für den Aufbau mit dem Pufferkondensator wählte ich einen der älteren Wagen aus dem Dolischo-Programm aus. Zum einen, weil ich nicht gleich einen der neuen Liliput-Anhänger zersägen wollte, zum anderen, weil der Unterboden dieser Wagen nur aus Kunststoff und damit leichter zu zersägen war. Folgende Arbeiten waren an diesem Wagen zu erledigen:

  • Schaltung für den Pufferkondensator aus 1000µF Kondensator, Diode und Widerstand löten
  • Fahrzeugboden ausschneiden und Pufferkondensator so einkleben, dass er bei Sicht von der Seite gerade nicht mehr unterhalb des Untergestells zu sehen ist
  • Aus Federbronzeblechstreifen zwei Radstromabnehmer biegen und im Untergestell einkleben
  • Verkabelung mit Steckanschlüssen über die Stirnseite zur Draisine so ausführen, dass die gekuppelten Fahrzeuge bei Fahrt durch Kurven und über Weichen ausreichend beweglich sind
  • Bauteile auf dem Anhänger tarnen; ich entschloss mich für eine einfache Plane, da mir dies als ausreichend neutral für verschiedene Ladegutvarianten auf den weiteren Kleinwagen erschien.

 

Ladegut für die Kleinwagen

 

Um möglichst flexibel bleiben und verschiedene Einsatzszenarien mit dem Draisinenzug nachstellen zu können, entschied ich mich dazu, die weiteren Anhänger nicht mit einer festen Beladung zu versehen, sondern unbeladen darzustellen. Dafür sollten die Wagen jedoch herausnehmbare und tauschbare Ladeguteinsätze erhalten.

 

Vorerst sind einige Ladeguteinsätze zur Darstellung von Grünschnitt entstanden. Dafür eignet sich bestens das Belaubungsmaterial von Silhouette. Weitere Ladguteinsätze sind geplant, aber vorerst muss der Draisinenzug erst einmal dringend auf die Strecke…