Gedankenzüge / Mai 2013

Sommer, Strand & Meer

Wer denkt bei dieser Überschrift nicht an Urlaub, Entspannung, Erholung und sieht zumindest für einen kurzen Moment nicht auch die eigene Seele entspannt in der Hängematte baumeln? Womöglich mit einem kühlen Drink bei der Hand, das blaue Meer vor Augen, feinen Sand zwischen den Zehen… – aber Moment mal: Wo bleibt denn da unser Hobby Modelleisenbahn?

Endlich die Nebenstrecke einschottern, die neu erstandenen Güterwagen altern, die schon länger gekaufte Dampflok digitalisieren, den Schattenbahnhof verdrahten, hey: das ist doch Entspannung. Außerdem gibt es doch noch so viel zu tun. Das Stellpult ist immer noch nicht fertig, die Hintergrundkulisse noch nicht montiert und die eben erst reparierte Verschublok ruckelt auch schon wieder. Und dann erst die ganzen anderen Pläne und begonnenen Projekte: Lokalbahngarnitur, Milchwagen, Heizhaus, 86er…

Eines ist klar: mit dem Hobby Modelleisenbahn wird einem nicht fad. Da sehnt man sich schon mal nach dem Feierabend, nach dem Wochenende, nach dem Urlaub, um endlich nach Lust und Laune dem eigenen Hobby frönen zu können – möglichst lange und möglichst ungestört. Doch halt: Gibt es hier nicht eine Grenze des Verträglichen? Wo beginnt die Unverträglichkeit, für andere, aber auch für sich selbst? Gewiss, unser Hobby kann sehr befriedigend und erholsam sein, aber gilt das nicht auch für viele andere Freizeitbeschäftigungen? Und wie sieht das unsere Familie, unser Freundes- und Bekanntenkreis?

Im EBFÖpro schrieb unlängst User km 179.3 sehr zutreffend: „Wer sich überdurchschnittlich viel in seiner Freizeit mit einer bestimmten Materie beschäftigt, kann für sein soziales Umfeld (Familie, Bekannten- und Kollegenkreis) zu einer Bereicherung werden, wenn er es schafft, dieses Umfeld so mit einzubeziehen, dass die das tatsächlich auch als bereichernd empfinden können. Wer das eben nicht schafft, kann dagegen rasch eine Belastung werden.“

Von einer Belastung will ich gar nicht reden, aber ich denke, schon im Sinne eines langfristig ausgeglichenen inneren Gleichgewichts lohnt es sich, auch anderen Dingen und Interessen genügend Zeit im eigenen Leben einzuräumen. Ich kenne Modellbahner, die plötzlich zur Erkenntnis kamen, dass sie „nur im Keller gesessen und an Loks rumgebastelt haben“. In der Folge haben sich die Kollegen nach dieser Erkenntnis dann meist anderen Dingen zugewandt.

Manche kamen Jahre später wieder zurück und gingen mit Freude und Begeisterung an das Hobby ran, zwar vielleicht nicht mehr mit derselben Intensität und solch großen Träumen und Zielen wie früher, dafür aber mit neuem Wissen und neuen Erfahrung gesegnet aus der Zeit einer Beschäftigung mit anderen Dingen als dem Lieblingshobby. Im Berufsleben bieten einige Unternehmen ihren Mitarbeitern die Gelegenheit zu einem Sabbatical, in dem sie für einen gewissen Zeitraum eine Auszeit nehmen um Abstand zu ihrem Beruf zu gewinnen und danach wieder mit neuen Ideen und voller Kraft und Engagement zurückzukehren. Und was dem Professionisten recht ist, sollte uns Amateuren nur billig sein. Daher plädiere ich auch in unserem Hobby für eine befristete Auszeit, eine Art Urlaub vom Hobby, die wir uns regelmäßig gönnen sollten.

 

In diesem Sinne verabschiede ich mich in den schon frühsommerlichen Garten und freue mich auf ein baldiges ausgeruhtes Wiedersehen mit vielen neuen Ideen.

 

Jürgen / jzipp-online

 

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