Gedankenzüge / Jänner 2013

Großprojekt Modelleisenbahnanlage

Vor 25 Jahren habe ich an intensiv an meiner dritten Modelleisenbahnanlage gebaut, parallel dazu an einer stationären Clubanlage mitgewirkt, vor 20 Jahren einen Modulbauverein mitgegründet. Vor 15 Jahren habe ich das Hobby weitgehend an den Nagel gehängt und vor 8 Jahren bin ich wieder eingestiegen. In den letzten 5 Jahren ist schließlich der Gedanke immer mehr gereift, wieder eine eigene Modelleisenbahnanlage haben und bauen zu wollen. 

 

Die ersten Vorstellungen waren klassisch: durchgehende Hauptbahn, abzweigende Nebenbahn, ein kleines Heizhaus, einige örtliche Ladestellen. Alles mit einem plausiblen Thema untersetzt. Die Ausführung natürlich im Josef-Brandl-Standard, oder zumindest fast so. Ein erster Plan war bald gezeichnet, die Finalisierung zog sich jedoch länger hin. Zum einen, weil neue Ideen aufkamen, zum anderen, weil Detailplanungen bestimmte Lösungen wieder in Frage stellten. Dies war jedoch nicht weiter schlimm, da der nötige Anlagenraum ohnedies noch nicht verfügbar war und ich parallel zur Planung dennoch an ersten Teilstücken meiner Modellanlage arbeiten konnte.

 

Diese praktische Arbeit und Beschäftigung mit dem Hobby war zwar einerseits sehr befriedigend, da es mir gelang, erste Teilstücke nach den mir selbst auferlegten Maßstäben zu bauen, andererseits aber auch ein Stück weit ernüchternd, weil mein Baufortschritt deutlich unter meinen zeitlichen Erwartungen blieb. Zwei bemerkenswerte Modellbahnhefte, die im letzten Jahr in der Anlagen-Reihe des Eisenbahn Journals im VGB-Verlag publiziert wurden, gaben den Anstoß, dem Projekt Modelleisenbahnanlage nochmals sehr kritisch ins Auge zu sehen.



Bereits der erste Absatz im EJ-Heft „Bauen wie Brandl“ macht den Unterschied zwischen einem Hobby-Modellbahner und einem hauptberuflichen Modellbauer wie Josef Brandl klar: während der eine ein paar Stunden an zwei oder drei Abenden pro Woche und ab und zu einen Tag am Wochenende seinem Hobby frönt, geht der Profi mit seiner vollen Arbeitskraft an den Bau einer Modelleisenbahnanlage ran. Die von Josef Brandl in den letzten Jahren im Eisenbahn Journal vorgestellten (Auftrags-)Anlagen sind durchwegs hervorragend und zum Teil nicht einmal größer als mein Projekt. Dennoch halte ich es nach der Lektüre dieses Heftes für reichlich vermessen, zu glauben, dass ein ähnliches Ergebnis mit weniger Aufwand und Zeit auch nur annähernd erreichbar wäre. Von den nötigen handwerklichen Fähigkeiten, die Brandl besitzt, sowie den Kosten mal gar nicht zu sprechen.

Im EJ-Heft „Vive la France“ von Dominique Buraud wird hingegen erst im Epilog deutlich, dass die vorgestellte Anlage ein Lebenswerk des Autors ist. Seine Modellbahnanlage kann man getrost als französisches Modellbahnparadies der 60er Jahre im Kleinen bezeichnen, aber der Bau dieser wunderschönen Modellbahnanlage dürfte seinem Erbauer einiges an Kraft gekostet haben. Buraud schreibt selbst, dass er wohl kaum noch einmal den Mut für ein solches Projekt hätte.

 

Dies alles passt in das Bild meiner eigenen Erfahrungen. Man kann sich also ausrechnen, dass der hobbymäßige Bau einer Modellbahnanlage realistischerweise eher ein paar Jährchen mehr dauern und sogar zu einem Lebensprojekt mutieren könnte. Will man das? Steht man das durch? Kann man noch von einem erholsamen Hobby sprechen, wenn es irgendwann nur mehr gilt, ein Großprojekt konsequent zu Ende zu bringen?

Ich möchte, dass mein Hobby auch weiterhin eine entspannende und reizvolle Freizeitbeschäftigung für mich bleibt. Durch mein Baukonzept einer Modellbahnanlage in Teilstücken habe ich die Hoffnung, ans Ziel zu kommen, ohne unterwegs den Spaß dabei zu verlieren. Auch wenn möglicherweise das Ziel dann vielleicht nicht die ursprünglich erträumte klassische Anlage mit Hauptstrecke, Nebenstrecke, Zugförderung, usw. ist, sondern nur eine kleine An-der-Wand-entlang-Anlage mit bescheidenem Lokalbahnbetrieb.

 

Jürgen / jzipp-online


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